Und täglich grüsst der Fremdenhass

Der Schwarze Nazi

Foto © Cinemabstruso und Cineart e.V.

Foto Setting „Der schwarze Nazi“ © Cinemabstruso

Ehe ich auf das eigentliche Thema komme, muss ich zunächst etwas ausholen. Der 24. Juni 2016 liegt noch nicht lange zurück und mit ihm nahm die grauenhafte Sprachneuschöpfung „Brexit“ neue, endgültige (?) Formen an. Die Briten haben sich selbst ins Aus geschossen – bitter für einen Kontinent, deren Staaten sich vormals im Zeichen des Friedens zusammengeschlossen haben. So weit, so ungut. Über die laschen Regelungen und unzähligen Gesetzeslücken kann man natürlich zurecht diskutieren, vielleicht ist die EU auf einem so wagen Fundament zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, aber die bloße Idee von einem geeinten Europa war und ist doch keine schlechte. Wenigstens die jungen Briten haben inzwischen scheinbar das Denken angefangen. Ob das was nützt? Man weiß es nicht. Die alten bleiben wahrscheinlich unbelehrbar. Es braucht nicht viel, um eines mit ziemlicher Sicherheit prognostizieren zu können: Die Gewinner dieser Misere sind schon heute die Populisten. In Deutschland haben sie sich vor geraumer Zeit das nette Kürzel AFD gegeben. Und das steht ja bekanntermaßen nicht für die „Alternative für Dackel“ (Extra 3). Schön wär’s. Aber wem muss ich das dieser Tage noch erklären. Irgendwie sind diese seltsamen, mit gruseligen Parolen um sich schmeißenden „Alternativen“ kaum mehr abwaschbar. Soweit der Stand der Dinge. Verständnislos sehe ich mit an, wie sich tausende Menschen für eine Partei begeistern, die alle Werte, für die ich einstehe, zertrampelt. Gezeichnet durch Jahre intensiven Geschichtsunterrichts, meine alte Heimat, in der Neonazis schon seit ich denken kann, mehr oder weniger ein Thema sind und meine derzeitige Wahlheimat, in der es eigentlich auch nicht anders aussieht, die das Problem nur besser zu kaschieren versteht, durch all das bin ich es eigentlich langsam leid, mich immer wieder mit dem Thema Rechtspopulismus beschäftigen zu müssen. Gleichzeitig werde ich aber auch nicht müde, mich dem braunen Gedankengut zu widersetzen. In Gesprächen oder eben hier. Aus Geschichte sollte man lernen und dazu muss man kein Gutmensch sein.

Es gibt mit Sicherheit eine Tonne Filmmaterial, die sich mit der immer noch nicht verjährten deutschen Vergangenheit auseinandersetzt. Vieles davon habe ich gesehen. Filme über die ernüchternde Gegenwart gibt es hingegen noch nicht so viele. Der Leipziger Independentfilm Der schwarze Nazi greift das aktuelle Geschehen rund um Höcke und Co. in einer eher ungewöhnlichen Art und Weise auf. Es geht um den Afrikaner Sikumoya, der vor Jahren als kongolesischer Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und nun, um nicht ausgewiesen zu werden, die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen muss. Er liebt die deutsche Kultur, sieht sich jedoch immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, sich nicht genug anzupassen. Er wird in Bahn und Bus angeschaut, Vorurteile und Vorbehalte schlagen ihm entgegen, ohne dass es vieler Worte bedarf. Die logische Konsequenz wäre, sich mehr und mehr von all dem zu distanzieren, Sikumoya wählt den entgegengesetzten Weg. Penibel studiert er das vermeintliche Deutschtum, im Kampf um Anerkennung und Zugehörigkeit – bis er an einem entlegenen Ort von einer Gruppe Nazis zusammengeschlagen wird. Als er im Krankenhaus erwacht, ist er ein anderer, denkt wie die verhassten Angreifer und wird sogar Mitglied ihrer Partei, der NPO (Nationale Partei Ost). Nachdem die Rädelsführer merken, dass sich Sikumoya wunderbar als „Integrationsbeauftragter“ für gute PR machen würde, wächst die Akzeptanz für den Fremden in ihren Reihen mehr und mehr. Doch Sikumoya handelt ja aus Überzeugung, weiß außerdem mehr über Deutschland als so mancher „richtige Deutsche“ und entlarvt seine Kameraden auf diese Weise als nicht deutsch genug.

Um uns herum passiert gerade so viel absurdes, da war eine Filmgroteske wie Der Schwarze Nazi wirklich mal überfällig. Eine Genugtuung. Das Projekt der beiden Leipziger Regisseure Tilman und Karl-Friedrich König war sicher kein einfaches Unterfangen, finanziert wurde es überwiegend durch Crowdfunding und mit Hilfe netter Sponsoren. Dass Menschen nach wie vor etwas bewegen und ein Zeichen setzen wollen, ist wunderbar. Leider läuft der Film nur in ausgewählten Städten an wenigen Tagen. Wer jetzt Lust hat, ihn sich noch anzusehen, sollte mal auf www.derschwarzenazi.de/termine. Hier kann man Spielzeiten und Termine einsehen.

Foto © Cinemabstruso

Plakat „Der schwarze Nazi“ © Cinemabstruso

DE 2016

Produktion: Cinemabstruso

Regie: Tilman und Karl-Friedrich König

Schauspieler: u.a. Aloysius Itoka, Judith Bareiß, Chris Weber

Lief an am: 01.04.2016

Genre: Satire, Dokumentation

 

 

 

Den Osten entdecken – Eastside Tour #3: (Nun endlich) Der Darß

Eastside Tour Teil 3

Längst überfällig ist dieser Beitrag, aber ich spare mir die Vorreden an dieser Stelle und steige besser gleich ein. Der dritte Stopp auf unserer Tour durch den Osten im vergangenen Jahr war der schöne, schöne Darß. Nun muss ich erstmal ein bisschen an den Schräubchen im Hirn drehen und die ganzen tollen Erinnerungen wieder vorkramen, aber… (kurzes Interferenzgeräusch: krrrrrrriiiiiiiiiikiiiiiiiiiiiiii [Jaha, es ist doch etwas aus dem Physikunterricht hängengeblieben]) da sind sie wieder! War gar nicht so schwer.

Nach dem dreitägigen Aufenthalt in Neuruppin und der Kurzbegegnung mit Neustrelitz, beides nachzulesen hier und hier, ging es also weiter gen Norden auf den Darß, genauer gesagt direkt in eine sehr schöne, schnuckelige Unterkunft am Bodden (Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft). Und zwar kamen wir für fünf lange (aber immer noch zu kurze) Tage im Saaler „Hofboddenblick“ beim netten Stefan, dem Hausherren, mit dem wir gleich per Du waren, unter.

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Für alle, die ohne Kinder reisen oder sowieso mehr als nur einen Ort auf der Halbinsel erkunden wollen (ob mit Auto oder Rad), ist Saal ein wunderbarer Ausgangspunkt. Man guckt sozusagen gerade über den Saaler Bodden nach Wustrow oder nördlich nach Born und befindet sich unweit vom südlicher gelegeneren Ribnitz-Damgarten, von wo aus auch Boddenrundfahrten starten. Auch für Kurzentschlossene, die nicht Jahre im Voraus ihre Unterkunft buchen wollen – das muss man nämlich, wenn man direkt in einem der Küstenorte oder nahegelegenen Orte mit altem Reetdachbestand (Wieck oder Born) wohnen möchte – ist diese Ecke ein Geheimtipp.

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Unsere erste Amtshandlung (nach Auspacken des ganzen Krempels) war natürlich eine Fahrt nach Zingst und die Begrüßung der Ostsee. Das geht ganz easy über die Meiningenbrücke bei Pruchten und schwups: sitzt man am Strand in Zingst. Gut, Auto parken uns so, bisschen laufen, aber dann wird man entlohnt, auch wenn es bei unserer Ankunft etwas bewölkt war. Macht nüscht, Ostsee ist immer schön und war an diesem Tag auch mal fast menschenleer. Herrlich.

 

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Das obligatorische Strandkorbfoto. Foto © Franziska Gurk

Das obligatorische Möwenstrandkorbfoto. Foto © Franziska Gurk

Vorerst genug Ostseeluft geschnuppert, wanderten wir dann zurück durch den Ort zum Hafen. Mit „Hafen“ sind auf dem Darß immer die Anlegestellen am Bodden gemeint. In diesem Fall befindet sich der Hafen am sog. Zingster Strom. Auf ihm gelangt man zurück zur Boddenkette. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen verfügen alle Ostseebäder auf dem Fischland Darß sowohl über eine Seebrücke am Meer als auch über einen boddenseitigen Hafen. Ich möchte meinen, dass Ahrenshoop und Dierhagen keine Seebrücken haben, aber das nur so am Rande. Zurück zum Hafen in Zingst: Wer das gängige Touriprogramm möchte, kann von hier aus mit dem Schaufelraddampfer zur Boddenrundfahrt starten. Wer einfach nur auf der Suche nach einem leckeren Fischbrötchen ist und ein bisschen den Blick schweifen lassen möchte, wird beim Futter Kutter garantiert fündig. Da gibt es auch für kleines Geld „richitge“ Fischmahlzeiten.

Hafen Zingst, Foto © Franziska Gurk

Hafen Zingst, Foto © Franziska Gurk

Blick auf den Zingster Strom und die Insel "Große Kirr", Foto © Franziska Gurk

Blick auf den Zingster Strom und die Insel „Große Kirr“, Foto © Franziska Gurk

Der Schaufelraddampfer. Ich finde die Yacht interessanter. Foto Foto © Franziska Gurk

Besagter Schaufelraddampfer oder zumindest das Schaufelrad. Ich finde die Yacht aber interessanter. Foto © Franziska Gurk

Der zweite Tag war schön sonnig, bestes Badewetter, deshalb sind wir nach Dierhagen an den Strand gefahren. Die Sache mit dem Strandkorb konnte man zwar vergessen, weil auch hier alles heillos überfüllt war, aber wir haben auch so ein nettes Plätzchen im Sand ergattern können. Der Tag ging eigentlich komplett fürs Baden und in der Sonne liegen drauf, aber das muss auch mal sein. Abends waren wir auf Empfehlung einer Kommilitonin dann noch im Weitblick in Ahrenshoop, dort sollte man vor der Abenddämmerung aufschlagen, damit man bei einem Cocktail der Sonne beim Untergehen zusehen kann. Wir hatten zwar Glück, dass auch so noch ein Plätzchen frei war, aber reservieren schadet auch nichts. In jedem Fall ist es dort außerordentlich genial! Am besten lasse ich einfach die Bilder sprechen.

Am Dierhagener Strand, Foto © Franziska Gurk

Am Dierhagener Strand, Foto © Franziska Gurk

Weitblicken genießen im "Weitblick", Foto © Franziska Gurk

Weit blicken im „Weitblick“, Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Eh ich’s vergesse: Ahrenshoop ist vor allem bei den Kunstliebhabern sehr beliebt, regelmäßig finden hier, neben dem alltäglichen Galeriebetrieb, Kunstauktionen statt. Mit ein bisschen Kleingeld kann man bei der Gelegenheit sehr schöne alte Stücke, meist mit regionalen Motiven ergattern. Ich kenne Leute, die hat deshalb das Auktionsfieber gepackt.

Auch am darauffolgenden Tag gab es Sonne satt. Das muss man ausnutzen, also… was soll ich sagen: es ging wieder an den Strand, diesmal irgendwo bei Dierhagen Ost an einen weniger bevölkerten Strandabschnitt ohne Strandkörbe. Da war’s sehr fein. Abends wurde Born unsicher gemacht. Das kleine Örtchen liegt zwischen Ahrenshoop und Prerow und zeichnet sich insbesondere durch seine schönen alten Kapitänshäuser aus. Außerdem ist der Blick von hier auf den Bodden einzigartig. Es folgen natürlich Bilder, was sonst.

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

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Nicht alt, aber trotzdem schön. Foto © Franziska Gurk

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Boddenblick, Foto © Franziska Gurk

Am letzten Tag vor Abreise haben wir uns dann doch nochmal nach Prerow getraut. Zingst und Prerow verbinde ich mit Kindheit, oft habe ich hier – bzw. generell an der Ostsee – meine Ferien verbracht. Und meine Eltern auch… und deren Eltern und deren Eltern und dann sind wir so langsam in der Kaiserzeit, da dürfte dann Schluss sein. Will sagen, daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ganz besonders in diese  zwei Orte pilgern jedes Jahr unzählige Familien mit Kindern oder vielleicht auch umgekehrt. Die Städte haben ganz gut darauf eingerichtet. Ich inwzischen nicht mehr so. Ich mag’s nicht gern, wenn es überlaufen ist und mit fremden Kindern spiele ich auch nicht mehr so gerne. Aber vielleicht sehe ich das auch wieder anders, wenn ich selber mal Kinder habe. Trotzdem war der Ausflug sehr schön. In Prerow angekommen, haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind nach Darßer Ort gedüst, oder besser: geholpert. Darßer Ort befindet sich am obersten Zipfel des Darßes und weil dieser Bereich unter Naturschutz steht – auch Darßer Urwald genannt – gibt es hier nur Waldwege und eine grauenvolle Plattenstraße von anno dazumal. Aber: wir wollten Abenteuer, wir kriegten Abenteuer. Verstaut aber bei diesem Abenteuer eure Schlüssel gut, meinen habe ich dank der „Nullfederung“ meines Rades und der Urwaldstraße verloren. Pech. Wenn man dann aber mal angekommen ist, wird man mit einem wundertollen Leuchtturm und einem 1A Dünenstrand belohnt. Und natürlich mit einem unbezahlbaren Blick. Aber seht selbst.

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Und diese schöne Treppe ging es hinauf. Foto © Franziska Gurk

Diese schöne Treppe ging es hinauf. Foto © Franziska Gurk

 

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

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Foto © Franziska Gurk

Komm, ein Strandfoto geht noch. Foto © Franziska Gurk

Komm, ein Strandfoto geht noch. Foto © Franziska Gurk

Und zum Abschied gehört es sich so, der Ostsee ordentlich Lebewohl zu sagen. Mach’s gut. Tschüssikowski. Bis hoffentlich bald!

 

 

 

Mache Meldung

tschuldigung1

+++ Liebe Leute,

es tut mir leid, dass es hier inzwischen nur noch in unregelmäßigen und immer größer werdenden Abständen neuen Content gibt. Die Welt hat sich ein wenig gedreht, ich schreibe und arbeite nun seit geraumer Zeit redaktionell und es macht mir großen Spaß. Nun setze ich mich täglich mit Kultur auseinander, recherchiere, schreibe Artikel und Meldungen, fahre in der Gegend rum, treffe Leute – genau das, was ich wollte. Der Nachteil ist nur, dass der Blog, dass ihr zu kurz kommt. Ich merke: Den ganzen Tag über kreativ zu arbeiten, will gelernt sein und erfordert Übung, vor allem, wenn es abends eigentlich weitergehen müsste. Deshalb hoffe ich sehr, dass ihr mir nicht ganz abtrünnig werdet. Ich möchte natürlich weitermachen, muss aber definitiv einen neuen Rhythmus finden. Auch wenn hier mal länger nichts kommt, bin ich in aller Regel auf Instagram unter dem gewohnten Namen aktiv. Da gibt es vor allem Reise- und Architekturfotos – Eindrücke, die ich sammle und teile. Und auf Twitter findet man mich unter GurkenGezwitscher. Da twittere ich alles, was mir sonst so in den Sinn kommt, vornehmlich Gedanken über das Weltgeschehen. Schaut gerne rein… und ansonsten begegnen wir uns hoffentlich weiter hier. Das wäre schön. +++

 

26. Bamberger Kurzfilmtage

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Der Januar in Bamberg steht jedes Jahr ganz im Zeichen des Films, so auch dieses. Gestern gingen die Bamberger Kurzfilmtage zu Ende und ich habe im Laufe der vergangenen Woche natürlich auch mal vorbeigeschaut. Weil man ganz schlecht auf allen Hochzeiten tanzen kann, habe ich mich dieses Jahr für die Rubrik „Regionalfilm“ entschieden. Die lief am Samstag im historischen Luli-Kinosaal des ehemaligen „Ufa Kinocenters“ (vorher „Tonbild-Theater Luidpoldsäle“, ca. ab 1910), das 2000 geschlossen wurde. Heute befindet sich in einem Teil der Räumlichkeiten ein Orient-Teppichhandel. Jedes Jahr gibt der Herr Teppichladenbesitzer den großen Luli-Saal im Obergeschoss für die Kurzfilmtage frei – für den guten Zweck und damit nicht ganz in Vergessenheit gerät, wozu der Raum ursprünglich genutzt wurde. Daumen hoch!

Foto © Franziska Gurk

Foto © Franziska Gurk

Zurück zum Thema: Neben vielen anderen interessanten Rubriken (Wettbewerb Dokumentarfilm, Wettbewerb Spielfilm/ Animex, Wettbewerb Kinderfilm, Spezial) stand für mich der „Regionalfilm“ im Fokus. Irgendwie muss man sich ja entscheiden, am besten per Ausschlussverfahren (Kontingent, Tag, Uhrzeit, Klingen die Filme interessant?). „Regionalfilm“ war gebongt. Im Klartext heißt das, dass bei dieser Veranstaltung nur Filme aus Oberfranken, na ja und Hochfranken (wohl ein relativ neuer Begriff für Hof und Wunsiedel – wieder was gelernt) gezeigt wurden. Nun bin ich ja ursprünglich nicht von hier, d.h. der Patriotismus für Oberfranken (oder eigentlich generell) hält sich in Grenzen, trotzdem interessiere ich mich für das, was in Bamberg – meinem Zu Hause (auf Zeit?) und Umgebung filmisch, kulturell und künstlerisch so abgeht. Ich habe erneut festgestellt: da geht relativ viel, sehr schön!

Gezeigt wurden an der Zahl 17 Kurzfilme von 2-15 Minuten. Im Gegensatz zum letzten Jahr war es also noch kurzweiliger. Vom Imagefilm über Musikvideos bis hin zu Künstlerporträts, Dokumentarfilmen, Sitcoms und Experimentalfilmen war alles dabei. Die Vielfalt hat mir gut gefallen.

hautnah

Meinen persönlichen Siegerfilm hautnah möchte ich als erstes vorstellen: Gedreht haben ihn die vier Mädels von „Vierfacheffekt“  im Rahmen eines „32-Stunden-abgedreht“-Smartphone-Kurzfilmwettbewerbs an der Universität Bayreuth. Die Idee ist so simpel wie genial. Zu sehen ist der Rücken einer jungen Frau, genauer gesagt ihr Weltkarten-Tattoo. Im Laufe des Films wird die Weltkarte mit Pinsel und Farbe erweitert – um einige Eckdaten, die immer in Erinnerung bleiben werden und die aktuelle politische Weltlage verdeutlichen. Die stumme Botschaft: All das Leid wird auf den Rücken Millionen armer Menschen ausgetragen… und wir tragen es mit. Eigentlich wollten sie nach eigenen Angaben gar nicht politisch werden und man kann das Ganze ja auch nur als Zeitdokument betrachten. Ich finde „politisch sein“ aber nicht schlecht, im Gegenteil.

Experimentalfilm | Deutschland 2015 |  4 Min | Farbe
Buch und Konzept Vierfacheffekt | Kamera Alina Rosenheinrich |
Art Department Anna Hoffmann | Schnitt Kathrin Benker | Darsteller Chantal Hopp

Bernd

Tatsächlich gewonnen (übrigens den Bamberger Reiter aus mit Gold überzogener Schoki) hat in dieser Rubrik das Künstlerporträt Bernd. Natürlich auch verdient, denn dem Künstlerkollektiv INGE ist eine handwerklich sehr gut gemachte Kurzdoku über den Bamberger Großskulpturen-Künstler Bernd Wagenhäuser gelungen. Der Film zeigt eindrücklich, mit welch schwerem Werkstoff der Künstler tagein tagaus hantiert. Da werden Stahlplatten gewalzt, gebogen, verformt, geschweißt – unglaubliche Massen bewegt. Wie der Künstler sonst so tickt und wie er zu seiner Leidenschaft und seinem Beruf, der Kunst steht, das alles wird sehr feinfühlig herausgearbeitet.

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Quelle: bambergerkurzfilmtage.de

Dokumentarfilm | Deutschland 2015 
Regie, Kamera, Schnitt Kunstprojekt INGE | Musik Jakob Fischer | Darsteller Bernd Wagenhäuser, Susanne Scheele, Olaf Pöppelmeier

Du.Wir.Hochfranken.

Unter den Werbeclips hat sich einer ganz besonders hervorgetan: Du.Wir.Hochfranken. ist mit der Hyperlapse-Technik aufgenommen worden und zeigt einmal mehr, dass es gerade die jungen Leute richtig draufhaben. Mit mitreißender Musik unterlegt und 1a geschnitten, kann man auch an Werbung Gefallen finden.

Werbeclip | Deutschland 2015 | 2 Min | Farbe
Regie, Buch, Kamera, Schnitt  Michael Throne, Thiemo Wagner

Kurze Sätze

Sehr gelungen finde ich auch den Experimentalfilm von und mit Nora Gomringer – eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Kulturschaffende im Raum Bamberg (außerdem künstlerische Patin der 26. Bamberger Kurzfilmtage). Zusammen mit Judith Kinitz und Michael Ebmeyer ist sie für den Film Kurze Sätze verantwortlich, der dem berühmten Bayreuther Dichter und Schriftsteller Jean Paul gewidmet ist. Auch wer damit eher wenig anfangen kann, hat seinen Spaß, denn Jean Paul konnte nicht nur fette Wälzer schreiben, sondern war auch „aphorismenbegabt“. Und weil die zahlreichen Sprüche so zeitlos und treffend sind und mitunter auch humoristisch anmuten, streut Nora Gomringer, übrigens selbst Lyrikerin, sie in ihren filmischen Alltag ein. Ein kluger, witziger Film über das Leben und Jean Paul.

Experimentalfilm | Deutschland 2015 | 8 Min | Farbe
Regie, Kamera, Schnitt Judith Kinitz | Buch Nora Gomringer | Darsteller Nora Gomringer, Michael Ebmeyer

Best Bayreuther Ever

Ein richtiger Berliner zu sein, ist schwer, findet jedenfalls Thilo in der Sitcom Best Bayreuther Ever. Es gibt ja so viele, die das sein oder werden wollen. Viel zu anstrengend und vergebene Liebesmüh. Deshalb will der junge (nunmehr) Ex-Berliner lieber der beste Bayreuther werden, das erscheint einfacher. In Relation zu den 8 Filmminuten, gibt es hin und wieder ein paar Längen, die hätten gekürzt werden können, aber davon abgesehen habe ich sehr gelacht. Die Jungen und Mädchen haben Talent.

Regie, Buch Christoph Dobbitsch | Kamera Florian Jochum | Darsteller Julian Janssen, Felix Zachmann, Lennard Petersen, Michael Schneider, Lisa Mallory, Henrik Vorbröker, Inés Peyser-Kreis, Lukas Büttcher

Der Fässla Zwerg

Abschließend noch eine kleine Huldigung an Bamberg mit dem Werbefilm Der Fässla Zwerg. Wer schon mal in der fränkischen Biermetropole war, wird die uralte Brauerei Fässla kennen. Ich mag eigentlich kein Bier, aber das Zwergla schoo. 😉 Hier seht ihr, wie Bamberg und das Bier zusammengefunden haben:

Regie Daniel Savic Philipp Mößner | Buch, Kamera, Schnitt Daniel Savic | Animation Philipp Mößner War wieder

 

Unter der Rubrik „Regionalfilm“ wurden außerdem folgende Filme gezeigt: Bleib so, Ein Tag in Bamberg, Untold, Nicht Okay!, Inventar, A Tale of Golden Keys, QR-Tour – The Promo, Die Waldfee, Eröffnung der BasKIDhall, Endzeitstimmung und Bahnhof. Auch dieses Jahr haben die Kurzfilmtage gerockt und meine kleine Auswahl steht stellvertretend für einen ganzen Haufen guter Filme. Ich komme auch nächstes Jahr gerne wieder!